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März 2026
Gewesen:
neue
NOpera!-Produktion
Die Kantine
von Nico Sauer in Münster
Angekündigt:
Oper Awakening
in Bonn – Musikfabrik
im
WDR und im japanischen Kulturinstitut – Kassandra
und Le Grand
Macabre
in Bielefeld u.v.a.m.
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[Neue NOpera!-Produktion Die Kantine von Nico Sauer in Münster]
Die
Sicherheitsvorkehrungen im Theater Münster sind enorm
ausgebaut
worden. Schon während wir – aufgeteilt auf vier farblich
markierte
Gruppen – auf den Einlass warten, werden wir vom technischen
Leiter
einer Schuhvermessung unterzogen. Zum Glück gibt es keine
Beanstandungen. Um uns herum informieren Tafeln über die
hier
geltenden Regeln und die werden auch ernst genommen. Nachdem
wir einer launigen Videoeinführung mit Uropa
Gérômyna Castell, „eine
Berliner Größe der Transgender-Szene“, beigewohnt
haben, reihen wir uns wie im
Flughafen in eine lange Schlange ein und beim Scannen lässt
der
energische Sicherheitsbeamte keinen durchschlüpfen, der etwa
versucht Lebensmittel oder – schlimmer noch – Rosen
einzuschmuggeln. Immerhin sorgt
eine ruhig
wogende, vom gemächlichen Brummeln der Tuba durchsetzte
Musik für
eine gewisse Besänftigung.
Eingecheckt
haben wir bei Nico
Sauers
neuem
Stück Die
Kantine,
das
als aktuelle
NOperas!-Produktion
am
27.2.26
in Münster uraufgeführt wurde. NOperas!
ist
aus
dem Fonds Experimentelles Musiktheater (feXm)
hervorgegangen und
gibt
Kreativen, die eher der freien Szene zuzuordnen sind,
die einmalige
Gelegenheit, in die heiligen Hallen des Opernbetriebs
einzudringen.
Diese
Chance
haben Nico Sauer und sein Team weidlich genutzt und
zwar
sowohl
räumlich als auch personell, denn
bei ihren Recherchen wurde ihnen sehr schnell bewusst,
dass Oper mehr
ist als Gesangsstars auf einer gut ausgeleuchteten
Bühne. Der
Apparat wird getragen von einer kaum überschaubaren
Anzahl von
Mitwirkenden, vom Maskenbildner bis zur Schreinerin, vom
Reinigungspersonal bis zur Inspizientin, die
ein labyrinthisches Schattenreich bewohnen. Beim Gang
durch diese
unterirdischen Katakomben und im Verlauf unzähliger
Gespräche
mit
dem Opernpersonal erschien
der Opernbetrieb immer mehr als Widerspiegelung unserer
(westlichen)
Gesellschaft:
dominiert von scheinbar unauflösbaren Hierarchien,
Offenheit
beschwörend und sich gleichzeitig bunkerartig
abschottend, sich
Innovation auf die Fahne schreibend und gleichzeitig in
der
Wiederholung des Ewiggleichen erstarrend, wie ein
„Arbeitsmuseum“
Gewerke konservierend, für
die es andernorts kaum
noch
Verwendung gibt; kurz – um das ganz große Rad zu drehen
– wie Klees/Benjamins Angelus
Novus,
der mit dem Rücken der Zukunft zugewandt, die
Trümmer der Geschichte
vor
Augen vom
Sturmwind davongeblasen
wird.
Gegen
Erstarrung (und ihre Zurkenntnisnahme) hilft bekanntlich
Bewegung
und so wird das Publikum treppauf und treppab durch
nicht enden
wollende Gänge gescheucht und mit oft skurrilen
Situationen
konfrontiert. In
einem Käfig begleitet eine dunkel wummernde Pauke einen
unverständlichen Dialog, in der Schreinerei werden zu
zarten
Schmiergelgeräuschen technische Anweisungen zur
Arie,
wir
schauen
in seltsam ausstaffierte Gemächer, erhaschen einen Blick
auf
akrobatische Yogaübungen im
Computerraum,
hören die Kammerjägerin im Fundus von ihrem
aussichtslosen Kampf
gegen Motten berichten.
Endlich
weitet sich der Raum zur Bühne und wir erleben, wie die
Inspizientin
(Wioletta
Hebrowska)
dem kleinen Haus ein schmachtendes Liebeslied widmet.
Aber auch das
geht nicht gut aus, der untote Komponist (Nico Sauer in
persona)
tritt
auf den Plan, fällt
seinem eigenen Stück in den Rücken und
geht qualmend zu Boden, Blut fließt, Köpfe rollen – zum
Glück
hat der Sicherheitsbeauftragte vorab für Schutzbrillen
und
Gehörschutz gesorgt.
Immerhin
gibt es im
Opernbetrieb
einen Raum, an dem die herrschenden Regeln und
Hierarchien scheinbar
und vorübergehend außer Kraft gesetzt sind: die Kantine.
Hier
herrscht Ruhe vor dem Sturm und bei belegten
Brötchen und Tagessuppe sind alle gleich. „Wenn die Oper
ein
Spiegel der Welt ist, dann ist die Kantine ihr
Double…...Die Oper
verdoppelt die Welt als
Symbolraum; die Kantine nimmt sie ungeschminkt auf.“ So
ist es nur
konsequent, in der Kantine zum großen Finale zu blasen.
Die
Rosenverkäuferin (Angela
Braun),
die
in der Kulisse ihr eigenes Geschäft betreibt und klammheimlich
einen Rosenchor um sich geschart hat, singt, von diesem
unterstützt,
ausschweifend das Manifest der Oper der Zukunft, aus dem
wir lernen,
dass die Oper für
immer unverstanden
bleiben möchte. Untermauert
wird dies durch traschige Gesangseinlagen, die von der
Opernarie bis
zum
Schlager, von
der Mottenmotette
bis zum Growling reichen und bei denen auch die Brothers
in Law (Nico
Sauer und Jon Kolkol) mitmischen. Das Publikum ist
engagiert dabei und
spätestens wenn allen Mitwirkenden einzeln ein
expliziter Dank
ausgesprochen wird, möchte man sich gerne von der
Stimmung anstecken
lassen. Aber
so ganz überzeugt hat mich der Abend nicht. Im
Programmheft wird in
Anlehnung an Helmut Heißenbüttel ein
anthropoetischer Zugang versprochen, statt
zu poetisieren will man poetisch freilegen, doch gerade
die Poesie
bleibt auf der Strecke. Was Manos Tsangaris, bei dem
Sauer studiert
hat, immer wieder auf unnachahmliche Weise gelingt,
alltägliche
Momente in Szenen und Klänge zu gießen, die sich
ohne
große Worte unmittelbar mitteilen
(zuletzt
im Museum Kolumba, s. Gazette
Januar 2026),
versandet hier allzu oft in Klamauk. Statt
sich berühren zu lassen, lässt man sich mitreißen oder
auch nur
mitziehen und
aus
den hehren Gedanken über unsere Gesellschaft wird ein
surreales
Manifest, das sich damit begnügt, nicht verstanden zu
werden.
[Termine im März]
Köln
In
der
Kunststation
Sankt Peter
erwarten
uns Improvisationen am 6.3., das Érma
Ensemble mit
dem Kabinett
der Sinne am
18.3., ein experimentelles Musikprojekt am 20.3., The
Swanbone Tracks
für archaische Flöten und Elektronik mit Norbert
Rodenkirchen am 27.3. sowie Lunchkonzerte
am
7., 14., 21. und 28.3.
In
der Alten
Feuerwache
stehen Skeleton
von Julia Sanjurjo am 14.3.,
das Ensemble
hand werk
am 17.3.,
das
Kommas
Ensemble am
21.3., das
Cologne
Guitar
Quartet am 26.3.,
das Ensemble Quater am 28.3. und das Ensemble
S201
am 29.3. auf dem Programm. Die
Musikfabrik
ist am 7.3.
im WDR und am 25.3.
im japanischen
Kulturinstitut zu
Gast und lädt am 16.3.
und 23.3.
zum Montagskonzert in
ihr Studio.
In der Philharmonie
dirigiert George Benjamin am 22.3.
sein
Concerto
for Orchestra und
am 27.3.
hebt das WDR Sinfonieorchester dort
ein
Werk von Geoffrey Gordon aus der Taufe. Beim
nächsten Chamber
Remix am
8.3. trifft Jens Düppe mit seinem Jazzquartett auf Eva
Pöpplein und
im Sancta
Clara
Keller spielt das Asasello
Quartett am 27.3.
Werke von Viera Janárčeková und Tomasz Prasqual.
Einblicke
in die freie Szene bekommt man bei ON
Cologne
und Noies,
der Zeitung für neue und experimentelle Musik in NRW,
jeden 2. und
4. Dienstag im Monat sendet
FUNKT
ein Radioformat mit Elektronik und Klangkunst aus Köln
und
jeden letzten Mittwoch im Monat findet die Soirée
Sonique
im LTK4
statt.
Dort
erwartet uns außerdem vom 30.3. bis 3.4. die Stille
der Dinge. Fast
täglich gibt es interessante Konzerte im Loft
und
weitere
Termine und Infos finden sich bei kgnm,
Musik
in Köln
und
impakt
sowie
Veranstaltungen
mit Jazz und improvisierter Musik bei Jazzstadt
Köln.
Ruhrgebiet
Das auf Live-Musik zu Stummfilmen spezialisierte Ensemble Interzone Perceptible ist im März in Essen, Duisburg, Bochum, Soest und Gladbeck zu erleben.
Im Konzerthaus Dortmund kommt am 14.3. der Stummfilmklassikers Das Cabinet des Dr. Caligari mit Musik von Karl Bartos zur Aufführung und im domicil stehen das Schlippenbach Quartett am 17.3. und The Dorf am 19.3. auf der Bühne.
Am 4.3. sind Philipp Buck, Oliver Lutz und Jan Klare im Duisburger Steinbruch zu Gast.
In der Neue Musik Zentrale in Essen wird am 3., 17. und 31.3. die Improvisationreihe FRIM fortgesetzt. Am 28. und 29.3. findet ebendort ein Workshop mit Bernhard Günter statt, im Rabbit Hole Theater gibt es am 7.3. Drift & Oscillations und das Ensemble S201 ist mit Emilio Guim am 28.3. in der Szene 10 zu erleben.Im Makroscope in Mülheim an der Ruhr geht am 20.3. die Konzertreihe ‚Verstärker!‘ in die nächste Runde.
Sonstwo
Die Gesellschaft für zeitgenössische Musik Aachen kündigt die Reihe 'Hören und Sprechen über Neue Musik' am 6.3., neue Musik mit Werken von Mauricio Kagel und Anestis Logothetis am 7.3. und aktuellen Jazz am 19.3. an und das Érma Ensemble präsentiert am 17.3. im Musikbunker das Kabinett der Sinne, ein Projekt zwischen Konzert und Kunstinstallation.
In einer Aufführung der Bielefelder Philharmoniker wird Ligetis Le Grand Macabre von Live-Zeichnungen begleitet (Premiere am 13.3.) und im Theater ist noch mehrfach die kürzlich uraufgeführte Oper Kassandra zu erleben. Die Cooperativa Neue Musik widmet den nächste Jour fixe am 2.3. der Orgel und in der Zionskirche erklingt am 1., 8. und 15.3. alte und neue Musik.
Im Theater Bonn kommt am 1.3. die Oper Awakening von Param Vir zur Uraufführung und die In Situ Art Society ist am 15.3. im Bonner Dialograum Kreuzung an Sankt Helena zu Gast.
Das TAM, Theater am Marienplatz in Krefeld, lädt jeweils freitags um 22 Uhr zum Nachtprogramm.
Folgeaufführungen des neuesten NOperas!-Projekts Die Kantine von Nico Sauer finden am 13. und 14.3. im Theater Münster statt und in der Black Box erwarten uns Rieko Okuda und Florian Walter am 1.3., das Windows & Mirrors Quartett am 14.3. sowie Veranstaltungen in der Reihe elektroFlux am 21.3. und 22.3.
Das Ensemble Horizonte ist in Ostwestfalen unterwegs: Am 1.3. macht es Station im MARTa in Herford, am 19.3. in Minden und am 26.3. in Detmold.
Im Wuppertaler ort stehen eine Session für freie Improvisation am 9.3., die Reihe ‚Off-Grid‘ am 11.3. und neue Musik mit Alexander Pankov & Werner Dickelauf am 26.3. dem Programm.
Weitere Termine mit improvisierter Musik finden sich bei NRWJazz.
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