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April 2026
Gewesen:
96. WDR-Konzert der
Musikfabrik
mit Grüßen aus Norwegen
Angekündigt:
Festival für aktuelles
Musiktheater Orbit
in
Köln – Tage für
neue
Kammermusik in Witten – Oper
The Lodger
in Wuppertal u.v.a.m.
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[96. WDR-Konzert der Musikfabrik mit Grüßen aus Norwegen]
In
ihrem 96.
WDR-Konzert entführte
die Musikfabrik
ihr
Publikum
in den europäischen
Norden nach
Skandinavien
und
mit gängigen Klischeevorstellungen von
Naturverbundenheit und
Rückzug an langen Winterabenden lag man vordergründig
gar nicht so
falsch. Bezüge
zu Naturphänomenen und eine verhaltene, teils
melancholische
Atmosphäre ließen sich in fast allen gespielten Werken
ausmachen.
Gleich zum Auftakt entwickelt
Kristine
Tjøgersen
mit
Seafloor
Dawn Chorus
eine
von zartem Rauschen und
gläsernem Flirren geprägte Klangwelt, die von kreisenden
Heulern
sanft in Schwingung versetzt wird. Die
Anverwandlung
von Naturlauten ist
der 1982 geborenen Norwegerin durch ihre Kompositionslehrerin
Carola
Bauckholt vertraut, in Seafloor
Dawn Chorus ließ
sie sich jedoch nicht von der heimischen Natur sondern vom
entgegengesetzten Ende des Erdballs inspirieren. Zugrunde
liegen
Unterwasseraufnahmen von sogenannten ‚Singenden Fischen‘
am Great
Barrier Reef,
die zum Teil direkt transkribiert und angereichert mit
experimentellen Spielweisen auf das herkömmliche
Instrumentarium
übertragen werden. Daraus
entsteht eine geheimnisvoll schillernde Klangwelt, in die
man
genüsslich eintauchen kann. Angesichts
der Bedrohung der Korallenbänke durch den Klimawandel, der
– wie
die Wissenschaft herausgefunden hat – nicht nur ein
Verblassen der
Farben sondern auch ein Verstummen der
Unterwassergeräusche zur
Folge hat, kann das Werk auch als Mahnung verstanden
werden, doch
nicht im Sinne eines plakativen Statements. Der
Widerstandsgeist von
Kunst im Allgemeinen und Neuer Musik im Besonderen besteht
gerade
nicht in ihrer eindeutigen Lesbarkeit und Positionierung
sondern in
der Sensibilisierung der Wahrnehmung, dem
Aufzeigen und Aushalten von Ambivalenzen und
dem Widerstreben gegenüber Erwartungen.
In
ganz andere – und
doch ähnliche – Sphären
versetzt uns
die ebenfalls aus Norwegen stammende
Hilde
Marie Holsen,
deren neues Werk Nimbostratus
für Live-Elektronik
und sechs Instrumente seine Uraufführung erlebte. Ausgangspunkt
ist diesmal
nicht
die Unterwasserwelt sondern der
Blick in den Himmel,
wobei es sich bei den namensgebenden Wolken um dichte,
dunkle
Formationen handelt, die viel Niederschlag verheißen.
Entsprechend
schwerfällig,
getragen von dunkel grummelnden Blechbläsern
hebt die Musik an und
der lastende melancholische Grundton bleibt trotz
behutsamer
Aufhellung erhalten. Aus dem Aufeinandertreffen dunkler
und heller
Schichten entwickeln sich lebhafte Turbulenzen, ein
vorübergehendes
Aufbäumen, das verebbt, ausdünnt und sich angereichert von
delikaten Klangnuancen (Live-Elektronik, Muschelhorn,
Gläser) in
ein elegisches Wogen ergießt, das mir
stellenweise etwas zu sanft um die Füße schwabbt.
Ein
Ausreißer im
doppelten
Sinn – bezüglich Herkunft und Klangbild – stellt Simon
Løffler
dar. Der Däne liebt Experiment, Performance
und Körpereinsatz und auch wenn es sich bei F.O.W.L
um ein rein instrumentales Werk handelt, wird einiges
geboten. Die
Natur vor allem die Tierwelt hat es ihm ebenfalls
angetan,
zeigt sich jedoch
diesmal von ihrer lärmenden Seite. Man hört es rascheln
und
rattern, gackern, schnattern und tröten, wobei allerhand
unorthodoxe, selbstgebaute Klangerzeuger zum Einsatz
kommen. Stühle
werden über den Boden geschleift, eine Bohrmaschine
rotiert und an
Holzstangen befestigte Plastikbehältnisse erzeugen ein
luftiges
Sirren. Das lebhafte Treiben lässt zunächst aufhorchen,
erschöpft
sich jedoch
bald in
der Lust an skurrilen Klangereignissen, die – zudem
überlang –
um sich selbst kreisen.
Mit
Mixed
metaphors
hat sich der Norweger Eivind
Buene
schließlich einer sehr ungewöhnlichen Besetzung zugewandt:
Violine
und Minimoog (ein
analoger Synthesizer).
Den
Anstoß
für dieses eigenwillige Zusammentreffen
gaben
die
beiden Mitglieder der Musikfabrik, die
Geigerin Hannah Weirich und der
Pianist Uli Löffler – der 2022 verstarb und dessen Part
von
Benjamin Kobler übernommen wurde. Die
Geige, die Königin der abendländischen Musik, steht dem
elektronischen Eindringling gegenüber, der allerdings
von
der Entwicklung längst überholt wurde und in unseren
digitalen
Zeitläuften wie
ein
nostalgisches Relikt anmutet – zwei alte Holzkisten, die
sich noch
viel zu sagen haben und mit- und gegeneinander einen
erstaunlichen
Klangreichtum entfalten. Nervöses
Zittern, ausgedehnte, verschmelzende Klangflächen,
plötzliches
Aufbäumen, gewitterartige Zuspitzungen, zwischendurch
besinnt sich
der Minimoog mit künstlichem, enervierendem Fiepen seiner
wahren
Natur, lässt sich aber bald wieder einfangen, so dass
beide versöhnt
und beruhigt ausschwingen.
Gegensätze
können sich anziehen und befruchten. Auch
das kann
eine Botschaft sein.
[Termine im April]
Köln
In
der Philharmonie
stehen
Werke
von Sofia
Gubaidulina und Natalie Beridze am 12.4.,
von
Manfred
Trojahn am 19.4.
und von
Caroline
Shaw am 20.4.
auf dem Programm. In
der
Kunststation
Sankt Peter
erwarten
uns
neben den samstäglichen Lunchkonzerten am 4.,
11., 18. und
25.4
neue
Werke für Viola
d’amore am 17.4. und eine Uraufführung von Chiyoko
Szlavnics am 24.4. Die
Plattform nicht
dokumentierbarer Ereignisse kündigt Konzerte am
9.4. und 15.4.
sowie die Soundtrips
NRW am
23.4. an. Vom 23. bis 26.4. findet das Festival für
aktuelles
Musiktheater Orbit
statt. Auf
dem Programm stehen u.a. ‘tableaux
morts’ von Philipp
C. Mayer mit dem Ensemble
Garage und
das Kölner
Chaos Orchester. Im
Stadtgarten
wird am 20.4.
Manfred
Schoofs
90. Geburtstag gefeiert, am 21.4.
steht Peter Evans auf der Bühne und am 27.4.
die Band Zevra (gefördert
durch NICA
artist
development). Am
12.4. trifft
unter dem Motto
Nova
Atlantis
Barockmusik auf
Elektronik, die
Musikfabrik
kündigt für
den
19.4.
ein
Montagskonzert an
und
das
E-Mex Ensemble ist
am 24.4. mit dem Programm Infinito
Nero in der Rochuskirche zu erleben.
Einblicke
in die freie Szene bekommt man bei ON
Cologne
und Noies,
der Zeitung für neue und experimentelle Musik in NRW,
jeden 2. und
4. Dienstag im Monat sendet
FUNKT
ein Radioformat mit Elektronik und Klangkunst aus Köln
und
jeden letzten Mittwoch im Monat findet die Soirée
Sonique
im LTK4
statt.
Dort
erwartet uns außerdem noch
bis
zum
3.4.
die Stille der Dinge. Fast
täglich gibt es interessante Konzerte im Loft
und
weitere
Termine und Infos finden sich bei kgnm,
Musik
in Köln
und
impakt
sowie
Veranstaltungen
mit Jazz und improvisierter Musik bei Jazzstadt
Köln.
Ruhrgebiet
Das auf Live-Musik zu Stummfilmen spezialisierte Ensemble Interzone Perceptible ist im März in Duisburg und Gladbeck zu erleben.
Im Dortmunder Konzerthaus stehen Werke von Jörg Widmann am 16.4. und ein Konzert mit der Sopranistin Sofia Jernberg am 22.4. auf dem Programm, am 16.4. kommt The Dorf ins domizil und in der parzelle erwarten uns das Trio Wallace/Vazquez/Trilla am 2.4., das Duo Caroline Krabbel und Paul Lytton am 19.4., The Attic am 24.4. und die Soundtrips NRW am 29.4.
Am 30.4. stimmt Bijayini Satpathy auf das Duisburger Festival Eigenzeit ein, das im Mai in die indische Musik und Kultur eintaucht.
In der Neue Musik Zentrale in Essen wird am 14. und 28.4. die Improvisationreihe FRIM fortgesetzt. Die Schlagzeugklasse der Folkwang Universität widmet sich am 16.4. Yannis Xenakis und im Rabbit Hole Theater sind am 27.4.die Soundtrips NRW zu Gast.
Im Makroscope in Mülheim an der Ruhr wird am 17.4. die Konzertreihe ‚Verstärker!‘ fortgesetzt und am 24.4. trifft das Freiburger Duo Lola & Bvck auf Lukas Schäfer.
In der Oberhausener Ludwiggalerie findet am 18.4. ein Ambient/Drone-Konzert statt.
Düsseldorf
In der Tonhalle stehen Werke von Aleksandra Vrebalov am 12.4. sowie von Caroline Shaw am 18.4. auf dem Programm und am 29.4. widmet das notabu.ensemble seinem Gründer Mark-Andreas Schlingensiepens anlässlich seines 70. Geburtstags einen ganzen Konzertabend. Experimentelle improvisierte Musik kann man mehrmals im Monat im Subsol, dem Raum für creative Extravaganzen, erleben. Infos gibt es über Facebook oder einen Mailverteiler. Für den 15.4. hat sich Simon Camatta angesagt.
Sonstwo
Das Landesjugendorchester NRW unter der Leitung von Susanne Blumenthal ist mit einer Uraufführung von Malika Kishino zwischen dem 17. und 26.4. in Dortmund, Kleve, Troisdorf, Düsseldorf und Leverkusen zu Gast.
Zwischen dem 22.4. und dem 3.5. treffen der Schlagzeuger Lê Quan Ninh und der Sopransaxophinist Michel Doneda im Rahmen der Reihe Soundtrips NRW in Düsseldorf, Köln, Bonn, Oberhausen, Essen, Dortmund, Gelsenkirchen, Wuppertal, Bochum und Münster auf wechselnde Gäste.
Die Aachener Gesellschaft für zeitgenössische Musik kündigt die Reihe 'Hören und Sprechen über Neue Musik' am 10.4. und Neue Musik aus Aachen am 11.4. an und Annegret Mayer-Lindenberg gastiert am 19.4. mit ihrem Projekt Viola d’amore jetzt im Raum für Kultur.
Die Bielfelder Cooperativa Neue Musik veranstaltet monatlich einen Jour fixe und zeigt außerdem am 6.4. einen Film als Hommage an Gerd Lisken und Anke Züllich-Lisken. In der Zionskirche erklingen am 12.4. 1000 Sounds für Schlagzeug.
Die In Situ Art Society ist am 1.4. mit einem Programm inspiriert von Pangaea von Miles Davis und am 24.4. mit den Soundtrips NRW im Bonner Dialograum Kreuzung an Sankt Helena zu Gast.
Das TAM, Theater am Marienplatz in Krefeld, lädt jeweils freitags um 22 Uhr zum Nachtprogramm ein und das Studio Musikfabrik ist am 19.4. in der Gemeinde Pax Christi zu erleben.
Evi Filippou, aktuell Improviser in Residence in Moers, trifft am 24.4. auf Michael Attias.
In der Black Box in Münster erwarten uns das Chuchchepati Orchestra am 12.4., das Trio Van Huffel/Okuda/Borges am 19.4. und das Duo Chris Brown/Ben Davis am 28.4. und Jan Klare & The Dorf stehen am 24.4. und 25.4. im Theater im Pumpenhaus auf der Bühne.
Im Kunsthaus Troisdorf erwartet uns am 26.4. ein Abend mit zeitgenössischer elektroakustischer Musik für Viola, Computer und audiovisuelle Medien.
Vom 24. bis 26.4. finden die Wittener Tage für Neue Kammermusik statt. Mit dabei sind diesmal u.a. das Ensemble hand werk, das Trio Abstrakt, Quatuor Diotima, Basel Sinfonietta und das WDR Sinfonieorchester. Als Porträtkomponistin ist Chaya Czernowin zu Gast.
Im Wuppertaler ort stehen die Reihe Off-Grid am 22.4., das Trio AKW (Aardestrup/Kimmig/Wisselstehen) am 23.4. und das Duo Chris Brown und Ben Davisdem am 29.4. auf dem Programm und im Opernhaus hat am 18.4. die Oper The Lodger von Phyllis Tate Premiere.
Weitere Termine mit improvisierter Musik finden sich bei NRWJazz.
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